Das Gleis
Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, Nürnberg

Die Deportation fränkischer Juden, die Beteiligung europäischer Eisenbahngesellschaften am Holocaust, das Portrait des NS-Gegners Merkenschlager und ein Zeitzeugengespräch mit einem ehemaligen Auschwitz-Häftling sind Themen der Vorträge.

Veranstaltungsprogramm: Vorträge

Auf Einwohnermeldekarten wurde häufig in rot "Jud" vermerkt und oft ist ein sogen. Evakuierungs- oder Abschubungsvermerk der einzige Hinweis auf das Schicksal des Bürgers: die Deportation.
© privat

"Evakuiert nach dem Osten" - Die acht Deportationen jüdischer Bürger aus Franken

Vortrag von Dr. Ekkehard Hübschmann

Ort:
Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände
Datum:
Dienstag, 29. Juni 2010, 18.30 Uhr

Ab November 1941 wurden über 4700 Menschen aus Ober-, Mittel- und Unterfranken ins Baltikum, nach Polen und nach Theresienstadt deportiert. Nur sehr wenige überlebten. Organisiert wurden die "Evakuierungen" genannten Abtransporte von der Gestapo-Leitstelle Nürnberg-Fürth mit ihren Außenstellen in Würzburg und Bamberg. In den anderen Kommunen hatten die Polizeistellen der Städte und Landkreise die jüdischen Bürger auszuwählen, zu unterrichten und in die Sammellager zu bringen. Mitzunehmen hatten die Menschen warme Arbeitskleidung, Arbeitsgeräte, Öfen und Nahrungsmittel - dies diente jedoch nur dazu, die Opfer sowie alle Beteiligten im Verwaltungsapparat zu täuschen. Die perfideste Form des Vermögensraubes durch die Nazis waren die Heimeinkaufsverträge für Theresienstadt.

Dr. Ekkehard Hübschmann, freier Historiker aus Bayreuth, beschäftigt sich seit zwei Jahrzehnten mit jüdischer Geschichte in Franken. Er stellt die acht Transporte bis 1944 sowie die Verhältnisse in den Lagern dar, geht exemplarisch auf Einzelschicksale ein, nennt die Namen der Täter und weist auf bestehende Kenntnislücken hin.

Eintritt frei

Werner Bab am Tor von Auschwitz, 27. Januar 2005.
© C. Ender

Zeitabschnitte des Werner Bab

Zeitzeugengespräch mit Werner Bab

Ort:
Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände
Datum:
Sonntag, 18. Juli 2010, 18.30 Uhr

Werner Bab wurde am 2. Oktober 1924 in Oberhausen geboren und lebte ab 1929 in Berlin. Nachdem ihm in Folge der "Nürnberger Rassengesetze" von 1935 und weiteren einschränkenden Gesetzen als deutscher Jude ein Besuch der öffentlichen Schulen nicht mehr möglich war, besuchte er ein Internat für jüdische Kinder in Stettin. Die Verhaftung sämtlicher Lehrer und Schließung der Schule nach dem Pogrom im November 1938 ließen Werner Bab nach Berlin zurückkehren. Um der drohenden Deportation zu entgehen, unternahm er 1942 einen Fluchtversuch, bei dem er an der Schweizer Grenze durch die Gestapo verhaftet wurde. Es folgte die Überstellung in das Konzentrationslager Auschwitz.

Werner Babs Lebensgeschichte gewährt Einblick in die Lebensumstände jüdischer Bürger ab 1933 in Deutschland sowie das Leben in den Konzentrationslagern, insbesondere im Stammlager Auschwitz, Mauthausen und Ebensee. Dabei ist ihm klar, dass seine Biografie leider nicht als paradigmatisch angesehen werden kann: Nur eine Minorität der europäischen Juden konnte wie er den Krieg überleben.

Eintritt frei

Schienenstück auf der Zufahrt nach Auschwitz-Birkenau, 2007.
© Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände

Netzwerk der Vernichtung - Die Beteiligung europäischer Eisenbahngesellschaften am Holocaust

Vortrag von Dr. Eckart Dietzfelbinger

Ort:
Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände
Datum:
Sonntag, 5. September 2010, 15 Uhr

Am Transport der Opfer des Völkermordes, der europäischen Juden und anderer Minderheiten, in die Vernichtungslager im Osten waren neben der Deutschen Reichsbahn mehrere europäische Bahngesellschaften beteiligt, z.B. die SNCF aus Frankreich, oder die slowakische und holländische Staatsbahn. Die Erstellung der Fahrpläne in den Tod erfolgte in enger Kooperation mit dem Reichssicherheitshauptamt der SS in Berlin.

Der Vortrag von Eckart Dietzfelbinger, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände Nürnberg, zeichnet dieses lange Zeit verschwiegene Kapitel nach. In Ausschnitten wird der Dokumentarfilm "Nach Fahrplan in den Tod - Die europäischen Bahnen und er Holocaust" von Wolfgang Schoen und Frank Gutermuth gezeigt.

Eintritt frei

Cover der Veröffentlichung von Gerd Bergofer, 2010.
© Gerd Berghofer

Friedrich Merkenschlager - Ein Wissenschaftler trotzt den Rassegedanken der Nazis

Lesung mit Gerd Berghofer

Ort:
Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände
Datum:
Dienstag, 14. September 2010, 18.30 Uhr

Nur fünf Jahre lang bis 1925 war Friedrich Merkenschlager, gebürtig im fränkischen Georgensgmünd, Mitglied der NSDAP. Nach der Lektüre von "Mein Kampf" und anderen Schriften, aus denen klar hervorging, wie die Nationalsozialisten "Rasse" definierten, wandelte sich Merkenschlager zum Gegner einer Ideologie, von der er schon 1927 sagte, dass sie in die Katastrophe führen müsse. In zahlreichen Schriften ging er gegen die NS-Rasseideologie an. Beruflich eine längst angesehene Persönlichkeit, wurde der Botaniker Prof. Dr. Friedrich Merkenschlager Regierungsrat an der Biologischen Reichsanstalt in Berlin-Dahlem.

Der Rezitator und Autor Gerd Berghofer zeigt auf, wie mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten Merkenschlagers Karriere als Wissenschaftler endete und sein Leben ab diesem Zeitpunkt ein ständiger Kampf um Ehre und Gerechtigkeit war - auch über das Ende der NS-Herrschaft hinaus.

Eintritt frei

Benno Martin, von 1934 bis 1945 Polizeipräsident in Nürnberg-Fürth und mitverantwortlich für die Deportation der fränkischen Juden.
© Stadtarchiv Nürnberg

Die Deportation der fränkischen Juden und ihre strafrechtliche Ahndung nach 1945

Vortrag von Dr. Edith Raim

Ort:
Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände
Datum:
Dienstag, 28. September 2010, 18.30 Uhr

Aus Franken wurden von 1941 bis 1944 über 4700 Juden nach Lettland, ins Generalgouvernement und ins Protektorat verschleppt, nur eine Handvoll von ihnen überlebte. An der Deportation waren neben der Gestapo viele weitere Behörden beteiligt wie Landratsämter, Stadtverwaltungen und Bürgermeister, Arbeitsämter, Gerichtsvollzieher und Polizeistationen.

Nach 1945 mußten sich einige der Täter vor deutschen Gerichten verantworten. Edith Raim vom Institut für Zeitgeschichte München zeigt in ihrem Vortrag auf, warum es dennoch nicht gelang, eine befriedigende Ahndung der Verbrechen zu erreichen.

Eintritt frei

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